Neulich traf ich durch Zufall bei meinen Recherchen über Schaufensterpuppen mit dem Requisiteur eines Theaters zusammen, der mich zu einem Besuch seines Theaterfundus einlud, wo er mir erklären wollte, wie bei ihm diese beliebten Schaufensterfiguren und Mannequins genutzt werden. Ich nahm sein Angebot natürlich gerne an, da ich mir solch einen Blick hinter die Kulissen schon seit langem gewünscht hatte.
Bisher hatte ich immer die Vorstellung, dass ein Theaterfundus eher einer Art Rumpelkammer gleichen müsste und dass er vollgestopft und unübersichtlich sein müsse. Doch ich wurde eines Besseren belehrt.

Modepuppen und Schaufensterfiguren aus allen Epochen

Ich kam zum rückwärtigen Eingang des Theaters, wo der Requisiteur schon auf mich wartete. Was ich dann erleben durfte ließ mein Herz höher schlagen und sicher wird mich jeder, der gebrauchte Schaufensterpuppen sammelt, um diesen Tag beneiden.
Als wir den langen Gang in Richtung Theaterfundus entlang gingen, traute ich meinen Augen kaum. Links und rechts befanden sich, wie in einer Ahnengalerie eines alten Schlosses Schaufensterpuppen und Figuren in Kostümen aus vielen Epochen der Menschheit.
Zunächst ging es vorbei an einigen männlichen Schaufensterpuppen, die im Stile der alten Pharaonen gekleidet waren und gleich anschließend stand eine weibliche Dekopuppe, die Cleopatra in einem prächtigen Gewand darstellte.
Weiter ging es durch das antike Griechenland und das alte Rom.
Einige Figuren aus der Römerzeit waren dabei als Puppen Torso dargestellt und erinnerten an Cäsaren, da sie zudem noch Lorbeerkränze trugen. Ansonsten handelte es sich zumeist um realistische Schaufensterpuppen und zu einem großen Teil waren auch bewegliche Schaufensterfiguren dabei, so dass einige als sitzende Mannequins sehr schön grazil wirkten.

Kinder-Schaufensterpuppen stellten Spielszenen von Kästner dar

Nun waren wir im großen Saal des Fundus angekommen und wieder war ich auf das Äußerste überrascht. Hatte ich hier zumindest große Regale mit Kostümen erwartet, wurde ich auch hier eines Besseren belehrt.
Sehr viele Kostüme und Kleidungsstücke wurden auch hier von Schaufensterpuppen getragen. Der Leiter des Fundus erklärte mir, dass diese Methode wesentlich praktischer sei, da sich die Regisseure gleich vor Ort ein Bild von der Wirkung der einzelnen Kostüme machen können.
Da sich der Requisiteur des Theaters selbst einmal als Regisseur betätigt hatte, machte er es sich zum Hobby, verschiedene Theaterstücke mithilfe seiner Schaufensterfiguren und Modepuppen nachzustellen und erntete dafür oftmals sogar Applaus von Darstellern und Regisseuren.
So gelang es ihm mit Kinder Schaufensterpuppen Kästners „Emil und die Detektive“ nachzustellen. Mit männlichen und weiblichen Schaufensterfiguren in Kostümen aus der Zeit der Französischen Revolution stellte er Victor Hugos „Le Miserables“ nach und jetzt plant er eine Szene aus der „Dreigroschenoper“ zu inszenieren.
Er erzählte mir, dass er dafür in einem Berliner Puppen Shop extra einige gebrauchte Schaufensterpuppen bestellt hat. Mit diesem Laden, der auch Schaufensterpuppen online vertreibt, habe er stets gute Erfahrungen gemacht, da man dort Dekopuppen in vielen verschiedenen Ausführungen zu erschwinglichen Preisen erhält.
Da er dort auch eine ganze Reihe futuristischer abstrakter Schaufensterfiguren in Silber gesehen habe, sei ihm die Idee gekommen, demnächst vielleicht eine Szene aus „Starlight-Express“ zu zeigen und sich so einen weiteren Traum zu erfüllen.
Leider verging dieser Tag am Theater als Ausflug in die Welt der Schaufensterpuppen viel zu schnell. Wir haben aber verabredet, dass wir uns in naher Zukunft noch einmal zusammen setzen werden und er mir weitere Tipps geben wird.